Tendenzieller Fall der Profitrate (Karl Marx)

27. November 2019

Es ist kaum möglich, an dieser Stelle auf die umfangreiche, zum Teil kontroverse, Literatur zum Fall der Profitrate einzugehen. Die Höhe der Profilrate wird durch den real produzierten Mehrwert und dem vorgeschossenen Kapital bestimmt. Da im kapitalistischen Akkumulationsprozess der notwendige Kapitalvorschuss (das Mittel) im Verhältnis zum Mehrwert (der Zweck) ansteigt, muss die Profitabilität insgesamt sinken. Dies muss aber nicht zwangsläufig so sein, deshalb sprach Marx auch vom tendenziellen Fall der Profitrate. Betriebswirtschaftlich, hoffentlich dreht sich Karl Marx nicht im Grab um, lässt sich der Sachverhalt folgendermaßen verdeutlichen:

Die Kapitalbildung erfolgt über Investitionen. Sie werden nur getätigt, wenn daraus ein Gewinn generiert werden kann. Je höher die Rendite (lt. Marx Profitrate) einer Investition, desto größer der Wettbewerbsvorteil. Bei diesem Versuch stößt der Kapitalist allerdings auf Schwierigkeiten. Die konkurrierenden Unternehmen sind ebenfalls gezwungen, ihre Produktivkraft in ihren Betrieben durch Kauf von neuen Maschinen (Investitionen) zu erhöhen. Aufgrund der Konkurrenzsituation wird notwendigerweise die Verzinsung des Kapitals fallen. Also erlahmt die Kapitalproduktivität allmählich. Marx begründete damit seinen Lehrsatz vom allgemeinen Fall der Profitrate. Er betonte aber, dass dieser Lehrsatz nur einen tendenziellen Charakter habe. Daraus entstand das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate. Marx folgerte daraus, dass der Sinn des Kapitalismus nicht die Warenproduktion für den Bedarf der Gesellschaft sei, sondern der Profit. Dieser Widerspruch bewirke, dass das System immer wieder aus dem Gleichgewicht gerate.

Sehr vereinfacht könnte man diesen Prozess in eine volkswirtschaftliche Kausalkette übersetzten. In einem wettbewerbsorientierten Wirtschaftssystem fallen logischerweise die Profitraten der Unternehmen. Warum ist das so? Beispielsweise hat ein Unternehmen durch eine kluge Unternehmenspolitik Wettbewerbsvorteile, weil diese Unternehmung ein neues Produkt erfunden hat. Aufgrund der mangelnden Konkurrenzsituation ist die Gewinnspanne relativ hoch, diesen Mehrgewinn wird diese Unternehmung natürlich vereinnahmen. Angelockt durch die hohen Gewinnerwartungen kommen weitere Unternehmungen auf den Markt, weil sie ebenfalls einen Profit erzielen möchten. Durch die Wettbewerbssituation fallen logischerweise die Preise, die Konsumenten freuen sich und die Produzenten müssen Gewinneinschränkungen hinnehmen. Einige kleinere Unternehmen können die niedrigen Preise nicht mehr halten, entlassen Arbeitskräfte und verschwinden vom Markt. Der Markt dünnt sich immer stärker aus, im Zweifelsfall bleibt nur noch ein Unternehmen übrig. Das hat dann die absolute Marktmacht und kann sie auch negativ gegenüber der Gesellschaft ausüben. Der Markt hat an dieser Stelle seine wesentlichen Eigenschaften verloren: Wettbewerb und Konkurrenz. Dies ist eine sehr vereinfachte Darstellung des Sachverhalts, sorry Karl Marx.