AllgemeinUmweltKlimawandel und Tourismus

8. März 2018

Was für ein Sommer!?

Während sich viele deutsche Touristen in der Sonne badeten veröffentlicht ausgerechnet die amerikanische National Ocean and Athmospheric Administration neue Erkenntnisse zum Klimawandel. Es ist hinlänglich bekannt, dass seit Beginn der Wetteraufzeichnungen die Jahre 2015 bis 2017 zu den wärmsten Perioden gehören. Wie ich an anderer Stelle schon mehrfach ausgeführt habe, ist die C02 – Konzentration gegenwärtig auf einem Rekordhoch. Dies wird auch durch den oben genannten Report bestätigt. Weiterhin wird im Report ausgeführt, dass die Ausdehnung des Antarktischen und Arktischen Meereseis sich zeitgleich auf ein Rekordtief befindet. Bedingt durch den Temperaturanstieg und einem Anstieg des Meeresspiegels[1] sind Szenarien möglich, die sich nicht mehr umkehren lassen. Solche Kipp-Punkte setzen Transformationsprozesse, beispielsweise die Umwandlung von Kohlenstoffspeicher in Kohlenstoffquellen[2], in Gang.

Während solche erschreckenden Nachrichten veröffentlicht werden, kehren die Touristen aus dem Urlaub zurück und rechtfertigen häufig ihre Mobilitätsentscheidung, denn vierzig Prozent der Deutschen verreisen mit dem Flugzeug. Der CO2 – Ausstoß der Flugzeuge wird dann verglichen mit den Kohlendioxidbelastungen der Kreuzfahrtschiffe und der Automobile. Es macht aber keinen Sinn, jetzt darüber zu debattieren, ob beispielsweise der Flieger, der Passagier eines Kreuzfahrtschiffes oder der Autofahrer die Umwelt mit CO2 stärker belastet. Das tun natürlich alle volkswirtschaftlichen CO2-Verursacher. Individuelle Schuldzuweisungen lenken vom eigentlichen Problem ab. Gerade das momentan billige Öl führt gegenwärtig zu einer globalen Autonachfrage, die sehr stark auf SUV-Boliden ausgerichtet ist. Im Flugbetrieb boomen die Billigflieger und Kreuzfahrten werden immer günstiger. Die Mobilitätsindustrie ist der einzige Sektor, der in den vergangenen Jahren nichts zu den Emissionsminderungen beigetragen hat. Der CO2-Ausstoß nimmt im Verkehrssektor, nach einer kurzen Phase der Stagnation, wieder zu.

Der internationale Tourismus ist für satte 8 Prozent der weltweiten CO2 – Emissionen verantwortlich. Deutschland trägt als Reiseland mit jährlich 329 Megatonnen zu dem Kohldioxid – Ausstoß bei. Nur die Länder China und die USA verursachen eine höhere Emission.

Gerade Fluggesellschaften werben damit, dass sie einen geringeren CO2 – Ausstoß pro Fluggast verzeichnen können. Dies ist sicherlich richtig, aber die Argumentation ist trotzdem fehlerhaft, da betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Logik auseinanderfallen. In der Ökonomie dominiert die Betriebswirtschaft die Volkswirtschaft und volkswirtschaftliche Problemlagen werden leider häufig betriebswirtschaftlich erklärt. Es ist mittlerweile unerträglich, wie betriebswirtschaftlich orientierte Ökonomen die Deutungshoheit über volkswirtschaftliche Sachverhalte übernehmen.

Je mehr Personen fliegen, desto geringer ist die CO2- Emission pro Person. Dies ergibt sich aus dem Gesetz der Massenproduktion[3]. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht bewerten sich die Fluggesellschaften und ermitteln die geringsten CO2- Emissionen pro Passagier und Kilometer. Aus der volkswirtschaftlichen Betrachtungsweise sind diese relativen Zahlen aber vollkommen irreführend und verharmlosen die Problemlage. Volkswirtschaftlich sind natürlich die absoluten Zahlen relevant. Wenn der Flugverkehr in den letzten vierzig Jahren um knapp vierhundert Prozent gestiegen ist, dann ist auch der CO2– Ausstoß um circa vierhundert Prozent gestiegen. Technische Neuerungen und Innovationen trugen möglicherweise dazu bei, dass die Steigerung nicht ganz so hoch ist.

Es zeugt von einem geringen ökologischen Sachverstand, wenn Schadstoffemissionen pro Kopf ausgewiesen werden. Klimarechner wie beispielsweise -atmosfair- beziehen sich nur auf einen einzigen Flug und kommen dann zu folgenden Ergebnis: Von Düsseldorf nach Rhodos, mit einem Airbus A340-500, mit Hin-und Rückflug, wird auf dieser Strecke einen Kohlendioxid Ausstoß pro Person von 1.091 Kilogramm verursacht. Natürlich nur, wenn das Flugzeug bis auf den letzten Platz ausgebucht ist. Diese Zahl mag viele Menschen beruhigen, weil sie diese Emissionen mit einem Mittelklassewagen vergleichen. Der PKW stößt bei einer Leistung von circa 6000 Kilometer (Düsseldorf – Rhodos, Hin- und Rückfahrt) in etwa genauso viel CO2 aus. Der Tourist wird dann zum Schluss kommen, dass es vollkommen egal ist, ob man tagelang mit dem Auto fährt oder das weitaus bequemere und schnellere Flugzeug nutzt. Dies ist nach betriebswirtschaftlicher Logik richtig. Bloß in der volkswirtschaftlichen Betrachtungsweise ist diese Sichtweise schlichtweg falsch. Um die volkswirtschaftlichen Problemlagen zu lösen, ist immer der gesamte Flugverkehr und demzufolge auch die gesamte Emission zu betrachten, und die hat sich massiv erhöht. Der gesamte CO2 – Ausstoß des Flugverkehrs hat sich in den letzten 40 Jahren vervierfacht.

Natürlich ist es immer möglich, klimaneutral zu verreisen. Im Inland zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Das Ausland lässt sich mit der Bahn besuchen. Je weiter es in die Ferne geht, desto größer ist der klimatische Fußabdruck.

Anmerkung: Wer mehr zur Mobilitätsindustrie erfahren möchte, muss mein Buch lesen.

[1] Die Schätzungen der Klimaforscher bewegen sich in einem Korridor zwischen 10 und 60 Meter.

[2] Wenn zum Beispiel die Permafrostböden Sibiriens und Nordamerikas auftauen, hat das erhebliche Konsequenzen für unser Klima. Die dauergefrorene Erde schließt Milliarden Kubikmeter Methangas ein. Schätzungen gehen davon aus, dass der gesamte arktische Boden 1,8 Billionen Tonnen enthält und bei einer Freisetzung als Methan verdampft. Methan ist ein 24-mal klimawirksames Gas als Kohlendioxid. Wenn dieser Kipp-Punkt erreicht wird, ist er nicht mehr umkehrbar. Die Erde vergiftet sich dann selbst.

[3] Das Gesetz der Massenproduktion besagt, dass mit zunehmender Ausbringungsmenge die Kosten sinken. Dies ist auf die Fixkostendegression zurückzuführen. Dieses Gesetz lässt sich auch auf den CO2 – Ausstoß anwenden. Je mehr geflogen wird, desto geringer sind die CO2 – Belastungen der einzelnen Person.