Die Fischerei und der Kapitalismus (6)

19. November 2023

Teil 6

»Der Zuchtlachs ist eine schwimmende Apotheke.« (Héctor Kol, Meeresbiologe)

Die großen Fischmehlfabriken in Westafrika benötigen Rohstoffe. Die, mit riesigen Schleppnetzen, gefangenen Fische werden in diesen Fabriken zu Fischmehl verarbeitet, um anschließend in den großen Aquakulturen des globalen Nordens zu landen. »Damit das Gefangene fressen kann, wird das Freischwimmende zermahlen. Sie nennen es nachhaltiges Wirtschaften. Dem ökologischen Konsumenten wird weisgemacht, damit schone er das Wildleben.«[1]  Somit wird aus der Natur Müll (Fischmehl) erzeugt, um aus diesem Müll gewinnbringende Aquakulturen zu unterhalten. Dies ist weder ökologisch, nachhaltig noch produktiv. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Um ein Kilo Lachsfleisch in Aquakulturen zu „produzieren“, müssen 4 bis 6 Kilogramm wildlebende Fische getötet und zu Fischmehl verarbeitet werden. »Inzwischen wird mehr als die Hälfte des weltweiten Fischfanges in Kraftfutter für Lachse und andere Tiere verwandelt. Mastlachse verbrauchen mehr tierisches Eiweiß, als sie produzieren. Wie kann so etwas nachhaltig sein?«[2] Das in Westafrika produzierte Fischmehl wird dann beispielsweise in die Länder Chile und Norwegen exportiert.

Der König der Lachse

»Ein Drittel der globalen Lachsproduktion liegt in der Hand des Norwegers John Fredriksen.«[3] Dieser Mann hat klein angefangen und sich zu einer der reichsten Männer der Welt hochgearbeitet. Heute gilt er als König der Lachse. Er folgt dem schlichten ökonomischen Leitspruch: »Alles, was für die Aktionäre gut ist, ist auch gut für das Unternehmen.« Insofern interessiert er sich ausschließlich für die Kapitalakkumulation. Er akkumuliert sein Kapital hauptsächlich in Chile und in Norwegen. Seine Unternehmen in Chile produzieren die »schlechten« Lachse, die norwegischen Produktionsstätten die »guten« Lachse. Somit kann er sich mit seinen norwegischen Betrieben als ökologischer Unternehmer darstellen. Die norwegischen Gesetze sind restriktiv und sie lassen nur ein Gramm Antibiotikum pro Tonne Lachs zu. In Chile gibt es keine gesetzlichen Beschränkungen. In Chile wird die Antibiotikasorte der Humanmedizin verabreicht und die Menge beträgt teilweise das Achthundertfache der Menge, die in Europa zugelassen wird. Die Hygienebedingungen sind in Chile eine einzige Katastrophe für die Lachse, die in ihren eigenen Fäkalien schwimmen müssen.

Der König des Nationalparks Pumalin

In Patagonien liegt der Nationalpark Pumalin, der von Douglas Tompkins gegründet wurde. Dieser Mann war ein »knallharter Kapitalist«, wie es der norwegische John Fredriksen heute noch ist. Tompkins ist mit seinen Textilfirmen Esprit und The North Face zu großem Reichtum gekommen ist. Kein Wunder – er hat, wie fast alle Textilunternehmer, seine Produktion in asiatische Billigländer ausgelagert. Als ihm klar wurde, wohin diese Globalisierung führen kann, ist er ausgestiegen. Er hat seine Firmenanteile verkauft und den Nationalpark Pumalin gegründet. Heute ist er ein Naturschützer, der sich nicht mit kosmetischen Korrekturen und »Greenwashing« zufriedengibt. Er kämpft gegen den ökonomischen Wachstumswahn und gegen die Aquakulturen in Chile. »Die Vorstellung, dass es eine nachhaltige Massentierhaltung im Meer geben kann, ist verrückt und eine gefährliche Illusion, die uns dem ökologischen Kollaps näherbringt.« (Douglas Tompkins) Weiter führt er aus: »Der Wachstumswahn sei wie eine »grausame Maschine der Beschleunigung« die alles Schöne auf dem Planeten zerstören werden. In Chile zeigt sich, dass »der Kapitalismus am Ende sich selbst verdaut. Marx hat Recht behalten«.«[4]  

In der Reihe »Die Fischerei und der Kapitalismus (Teil 1-6)« habe ich am Beispiel der Fischerei die Funktionsweise dieses Wirtschaftssystems erläutert. Um diese Reihe zu komplettieren und abzuschließen, werde ich noch auf die Weltmeere eingehen und das zerstörerische Wirtschaftswachstum im Zusammenhang mit der Entropie betrachten. Dies werde ich im übernächsten Blog tun.  Vorab muss das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 15.11.2023 unter die Lupe genommen werden.


[1] Guillaume Paoli, Geist und Müll, Von Denkweisen in postnormalen Zeiten, Berlin, 2023, S. 147.

[2] Wilfried Huismann, Schwarzbuch WWF, Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda, Gütersloh, 2012, S. 71.

[3] Wilfried Huismann, Schwarzbuch WWF, Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda, Gütersloh, 2012, S. 56.

[4] Wilfried Huismann, Schwarzbuch WWF, Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda, Gütersloh, 2012, S.75.

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