Kommt der Wassernotstand?

30. September 2023

Der Sommer 2023 hatte es in sich. Dürren, Wassermangel, Erdrutsche, Waldbrände und sehr wechselhafte Temperaturen waren die bestimmenden Themen. Ab und zu wurden diese Sachverhalte auch noch in Verbindung mit dem Klimawandel dargestellt. Die Katastrophen häufen sich und der Kanzler Olaf Scholz verkündete entspannt, dass man beim Klimaschutz nichts überstürzen dürfe. Der Oppositionsführer Friedrich Merz führte aus, dass noch genügend Zeit für die Bekämpfung des Klimawandels zur Verfügung stehe. Diese Entspanntheit lässt sich nur mit einer politischen Fehlleistung erklären. Sowohl Olaf Scholz als auch Friedrich Merz vermitteln, dass wir schon einige Krisen bewältigt haben und dass die Klimakrise irgendwann auch beendet ist. Das Gegenteil ist der Fall, weil der Klimawandel kumulativ wirkt. Das Klimaproblem wird somit immer größer. Je länger wir mit der Bekämpfung warten, desto größer wird dieses Problem. Der Klimawandel führt uns vor Augen, dass das Wasser knapp werden könnte. Deshalb wäre es sinnvoll, unverzüglich die Wasserproblematik anzugehen, denn ohne Wasser gibt es kein Leben.

Wasser

»Leben wie wir es kennen – vielleicht die einzige Form von Leben im Universum -, ist an H2O gebunden. Biomoleküle »funktionieren« nur in wässriger Lösung. Die Transportvorgänge innerhalb der Zellen wären ohne Wasser nicht möglich, und innerhalb eines Organismus, ob Baum, Fliege oder Maus, schon gar nicht. Erst Wasser erlaubt Eiweißmolekülen und Nukleinsäuren, Trägern fast aller Lebensvorgänge, sich in einer Weise dreidimensional zu falten und zu bewegen, dass sie wie molekulare Kleinstkörper oder Werkzeuge aktiv werden können. Als Enzyme beschleunigen sie (bio-)chemische Reaktionen, machen sie überhaupt erst möglich. Die Chemie des Lebens ist an Wasser gebunden, in der Regel sogar an viel Wasser. Naheliegend, dass auch das Abenteuer des Lebens im Wasser begonnen hat. Darin sind sich alle Forscher einig.«[1]

Das Fundament für das Leben an Land ist der Mutterboden, der eine lebendige Schicht auf der Oberfläche darstellt. Wenn es dem Boden gut geht, geht es auch dem Menschen gut und was für den Boden gut ist, ist auch gut für das Wasser. Der Nebeneffekt für einen gesunden Boden sind gesunde Wasserkreisläufe. Mit zunehmendem Klimawandel werden diese Wasserkreisläufe gestört und das Wasser wird knapp.

Der Wassernotstand ist aber kein Phänomen, das in Afrika oder in Asien zu beobachten ist. Auch in Mitteleuropa wird der Wassernotstand vielerorts sichtbar. Eine Studie des Wissenschaftsjournals Nature belegt, »dass sich in Mitteleuropa die Anzahl sommerlicher Dürreperioden in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts um das Siebenfache steigern wird.«[2] Neben diesen Dürreperioden werden gleichzeitig die Starkniederschlagsmengen steigen. Das bedeutet, dass die Extremwetterlagen zunehmen werden. Bedingt durch den Klimawandel werden die Temperaturen ansteigen. Damit steigt das Aufnahmevermögen der Luft für Wasserdampf. Gleichzeitig erwärmen sich die Meeresoberflächen und mehr Wasser verdunstet. Somit steigt die Feuchtigkeitsaufnahme der Luft zusätzlich. Wenn die Durchschnittstemperatur um ein Grad Celsius steigt, bedeutet das, dass die Luft sieben Prozent mehr Wasser aufnehmen kann.

Klima und Wetter

In meinem Blog Wetter vs. Klima habe ich die Hoch- und Tiefdruckwetterlagen und den Jetstream beschrieben. Bedingt durch den Klimawandel wird sich der Jetstream, ein vom Nordpol von West nach Ost verlaufendes Höhen-Starkwindband, verlangsamen. Der Jetstream hat erheblichen Einfluss auf das Wetter in unseren Breitengraden. Die Hoch- und Tiefdruckgebiete werden viel länger verharren und die Wetterextreme werden zunehmen.  Klimawandel und Wasserversorgung hängen unmittelbar zusammen. Dass in Deutschland das Wasser zurückgeht, lässt sich aus dem Weltraum beobachten. Die amerikanisch-deutsche Satellitenmission Grace nimmt diese Beobachtungen vor.

Wasserrückgang in Deutschland

„Im Zuge von Grace vermessen zwei Satelliten vom Weltraum aus pausenlos, wie sich die Schwerkraft der Erde verändert und was die Veränderungen im Wassergehalt einzelner Regionen damit zu tun haben. Die Satelliten scannen dabei ohne Unterlass die Erdoberfläche und liefern Daten über in Quadrate eingeteilte Regionen mit etwa 150 Kilometern Seitenlänge. Bezogen auf Deutschland sind die Aussagen Famigliettis (Anmerkung U.K.: Jay Famiglietti ist ein US-Forscher. Er ist Direktor des Global Institute for Water Security an der Universität Saskatoon (Kanada)) alarmierend. Demnach hat das ehedem wasserreiche Land seit der Jahrtausendwende etwa 2,5 Gigatonnen (2,5 Millionen Kubikmeter) Wasser verloren – das trockene 2022 noch nicht mit eingerechnet. Das entspricht der Wassermenge des Bodensees. Besonders betroffen sind Regionen im nördlichen Bayern, im Raum Lüneburg südlich von Hamburg und in Teilen Baden-Württembergs.“[3] Nach Aussagen Famiglietti gehören diese deutschen Regionen zu den Regionen mit den höchsten Wasserverlusten – weltweit.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Gemeinden, Kommunen und Bundesländer nicht vorgesorgt haben. Es ist schon länger bekannt, dass es bei zunehmender Trockenheit und Niedrigwasser an Trinkwasser mangeln wird. Im schlimmsten Fall müssen wasserintensive Anlagen in Deutschland, wie beispielsweise Chemie- und Papierwerke, ihren Betrieb einstellen.

Dass die Wasservorräte immer weniger werden, ist eine Seite der Medaille. Die andere Seite stellt die Wasserqualität dar, die zunehmend schlechter wird. Seit Jahrzehnten werden Brunnen wegen der mangelnden Wasserqualität aus dem öffentlichen Netz genommen, weil die Schadstoffeinträge aus der Landwirtschaft zu hoch sind. Die Europäische Union moniert seit vielen Jahren die hohen Nitratwerte in Deutschland.[4] 


[1] Jürgen Neffe, Darwin, Das Abenteuer des Lebens, München, 3.Auflage, 2008, S.96/97.

[2] Uwe Ritzer, Zwischen Dürre und Flut, München, 2023, S. 122 / 123.

[3] Uwe Ritzer, Zwischen Dürre und Flut, München, 2023, S. 71.

[4] Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/grundwasser/nutzung-belastungen/

Weitere Artikel