AllgemeinUmweltSchöner und nachhaltiger aussterben

18. November 2021

 „Im Falle meiner Reinkarnation würde ich gerne als tödliches Virus zurückkehren, um etwas zur Lösung des Problems der Überbevölkerung beizutragen.“

(Prinz Philip im Interview mit dpa, August 1988)

 Prinz Philip war nicht nur ein Hellseher und Misanthrop sondern auch Herzog von Edinburgh, Gründervater und Ehrenpräsident des WWF und er tat angeblich viel für den Arten- und Naturschutz im WWF. Der niedliche WWF-Panda ist einer der glaubwürdigsten Marken der Welt. Warum ist solch eine Marke so glaubwürdig, obwohl bekannt ist, dass der WWF mit allen maßgeblichen Konzernen, die die wichtigsten Rohstoffe kontrollieren, zusammenarbeitet? Dazu später mehr.

Die Zwillingskrise: Artensterben und Klimakatastrophe

Zweifelsfrei hängt die drohende Klimakatastrophe mit dem Artensterben zusammen. Sämtliche Arten, inklusive der Mensch, ist von einer intakten Natur abhängig. Die Natur stellt uns Atemluft, Trinkwasser und Lebensmittel zur Verfügung. Doch leider sind nur noch 3 Prozent der globalen Ökosysteme intakt. Alle menschlichen Kulturen vor unserer modernen Zeit haben die Natur als Gabenbeziehung verstanden. Der moderne Mensch begreift die Natur als ausbeutbare Ressource, aus der man straffrei Profite  ziehen kann. Es herrscht Krieg gegen die Natur, gegen die eigene Lebensgrundlage. Die Wälder, die Äcker, die Meere, die Seen und auch die Nutz- und Wildtiere benötigen dringend verbindliche Rechte, damit die bedrohte biologische Vielfalt geschützt werden kann.

Kunming

 Gerade ist die 15. Konferenz der Vereinigten Nationen zur biologischen Vielfalt in der chinesischen Stadt Kunming zu Ende gegangen. Es ist enttäuschend, weil die knapp 200 Vertragsstaaten über Absichtserklärungen nicht hinausgekommen sind. Von verbindlichen Rechten für die Natur keine Spur. Seit 1993 tritt die Weltgemeinschaft auf der Stelle. Die Convention on Biological Diversity (CBO) wollte vor 28 Jahren den Verlust der biologischen Vielfalt aufhalten. Bekanntlich ist dies nicht annähernd gelungen. Deshalb müssen rechtlich verbindliche Verträge mit der Natur geschlossen werden.

Zertifizierungen

Häufig wird behauptet, dass Zertifizierungen, beispielsweise für Soja, Holz, Kaffee und Palmöl, und diverse Ökosiegel zielführend sind. Dies hat nun Greenpeace mit der Studie „Destruction Certified“ vom März 2021 widerlegt. „Die NGO untersuchte darin neun große Zertifizierungssysteme, darunter den Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl, den Runden Tisch für verantwortungsbewusstes Soja und das Forest Stewardship Council. Keines dieser Systeme konnte den Verlust von Biodiversität aufhalten oder auch nur eindämmen.“[1] Dies ist ein ökonomisches Problem, weil sämtliche Zertifizierungssysteme eine Reduzierung von Palmöl, Soja, Kaffee und andere Ressourcen ausblenden. Ein Naturvertrag kann mit Zertifizierungssystemen nicht zustande kommen, weil die beteiligten Unternehmen profitorientiert handeln und die Nachfrage nach zertifizierten Ressourcen erhöhen wollen.

Die Rolle des WWF

Selbst die Zertifizierungen angeblich seriöser NGO wie beispielsweise der WWF sind mit Vorsicht zu genießen. Der von Prinz Philip mitbegründete WWF tut viel für den Artenschutz, aber nichts für die indigenen Völker. Im Gegenteil. Die Organisation WWF ist undurchsichtig und Raymond Bonner (New York Times) hat im Jahre 1993 gesagt: „Es ist leichter in die Geheimnisse der CIA einzudringen, als in die des WWF.“ Der WWF engagiert sich für Nationalparks, die nicht nur abgeriegelt sind, sondern auch keine Menschen zulassen. Die Konsequenz daraus ist, dass seit der Kolonialzeit über 130 Millionen indigene Menschen zu Naturschutzflüchtlingen geworden sind. Die Nationalparks wurden weitgehend entvölkert; 70 Prozent solcher Parks sind unbewohnt. Der WWF beteiligt sich im großen Stil an solchen Umsiedelungen. Untersuchungen haben gezeigt, dass solch ein “Festungsnaturschutz […] nicht nur Menschenrechte [verletzt], sondern auch die Artenvielfalt [zerstört].“[2] Durch die erteilten Bergbau- und Ölkonzessionen in Naturschutzgebieten, beispielsweise im Kongobecken, werden Arten zurückgedrängt. Der WWF scheint hier maßgeblichen Einfluss zu haben. Auf der einen Seite wird ein zweifelhafter Artenschutz betrieben und auf der anderen Seite wird Platz geschaffen für multinationale Konzerne. Die indigene Bevölkerung zieht dabei den Kürzeren.

Der elitäre Club

 Der WWF wird dominiert vom „Club der 1001“. Es ist undurchsichtig, wer diese 1000 Mitglieder sind. „Nur einzelne Namen sind durchgesickert: Henry Ford, Baron von Thyssen, der pakistanische Milliardär Prinz Aga Khan, Prof. Bernhard Grzimek, Robert McNamara, Fiat-Chef Agnelli und Mitglieder aus den europäischen Königshäusern. Eine Allianz aus Geld- und Blutadel.“[3] Interessanterweise gehört auch Sheikh Salim Bin Laden, ein älterer Bruder von Osama Bin Laden, diesem elitären Club an. So ist eine Kreuzung aus Panda und Profit entstanden, die Grundlage für die heutige New Green Economy. Diese neue Ökonomie verspricht trotz Klimakrise, Arten- und Regenwaldsterben ein steigendes Wirtschaftswachstum mit ständig zunehmender Produktion und einer schönen Konsumwelt. Außerdem sollen auch noch die natürlichen Ressourcen erhalten bleiben – eine naturwissenschaftliche Unmöglichkeit, klingt aber gut und weckt ein ähnliches Vertrauen wie der niedliche Pandabär.

Die USA hat mit der Vertreibung von Naturvölkern, beispielsweise den Indianern, Geschichte geschrieben. Diese Geschichte wurde durch Westernfilme verherrlicht. Relativ neu ist hingegen, dass die Vertreibung der Naturvölker nun aus Gründen des Naturschutzes erfolgt, um Nationalparks zu errichten. „Die Nationalpark-Ideologie hat seit der Gründung des WWF zu einer Massenumsiedelung im Namen des Naturschutzes geführt, der weltweit geschätzte 20 Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind; zu einhundert Prozent sind die Betroffenen Farbige: Indianer, Schwarze, Adivasi, Pygmäen, Dayaks oder Papua.“[4] Nicht von ungefähr darf der holländische Anwalt J. Wilgers den WWF ungestraft als „kriminelle Vereinigung“ bezeichnen.

Wir benötigen einen neuen Vertrag mit der Natur

 Um das Problem des Naturschutzes zu lösen, benötigen wir weder Zertifizierungssysteme noch zwielichtige Organisationen wie den WWF, den Conservation International, Wildlife Conservation Society oder Birdlife International. Die französischen Philosophen Bruno Latour  und Michel Serres sind sich einig, dass ein Krieg gegen die Natur herrscht. „Es müsse daher ein neuer „Naturvertrag“ mit der Natur geschlossen werden, mit dem Ziel, einen Zustand der Wechselseitigkeit und Symbiose zu schaffen.“[5] Dieser Naturvertrag, in Form von Gesetzen, muss verbindliche und einklagbare Standards enthalten, die ein Überleben auf der Erde ermöglichen. 

[1] Kathrin Hartmann, Schöner aussterben mit nachhaltigem Palmöl, in: der Freitag, Nr. 44 vom 04.11.2021, S. 3

[2] Kathrin Hartmann, Schöner aussterben mit nachhaltigem Palmöl, in: der Freitag, Nr. 44 vom 04.11.2021, S. 3

[3] Wilfried Huismann, Schwarzbuch WWF, Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda, Gütersloh, 2012, S. 19

[4] Wilfried Huismann, Schwarzbuch WWF, Dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda, Gütersloh, 2012, S. 88

[5] Frank Adloff und Tanja Busse, Gegen das Massensterben: Warum die Natur Rechte braucht, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 11`21, Berlin, 2021, S. 47