AllgemeinUmweltWirtschaftswachstumTäuscht und die Zeit?

21. März 2020

 Ich versuche auf meiner Homepage, sofern das überhaupt möglich ist, meine eigene Meinung nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Ich freue mich immer über andere Meinungen. Jetzt bin aber entsetzt über meinen eigenen (ursprünglichen) Berufsstand – die BWlér.  Wenn man sich diese gestriegelten Akteure anschaut, konnte man es fast erwarten – es gibt erste Anzeichen dafür, dass diese Spezies Kapital aus der Krise ziehen wollen, indem sie durch Leerverkäufe gezielt auf fallende Kurse wetten. Das heißt in der Konsequenz, je schlechter es der Menschheit in der Krise geht, desto größer der Gewinn. Sämtliche Finanzministerinnen und Finanzminister  der EU sind aufgefordert, diesen Irrsinn sofort zu stoppen. Hier helfen auch keine freiwilligen Appelle weiter, sondern gezieltes handeln.

Jetzt benötige ich eine Überleitung -zielführend ist es aber auch, über die sehr empfindliche Atmosphäre nachzudenken und die Konsequenzen des atmosphärischen CO2-Anstiegs für die Biosphäre, also für unser Leben, aufzuzeigen. Um das Klimaproblem zu erfassen, benötigen wir deshalb auch die zeitliche Dimension. Das bedeutet, die Begriffe Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit müssen in einen Kontext gesetzt werden.

Die schrumpfende Zukunft

„Faktisch schrumpft die einigermaßen gleichbleibende Gegenwart, aber damit zugleich auch eine ökologisch nachhaltige, lebenswerte Zukunft. Der Gedanke der „Gegenwartsschrumpfung“ stammt von dem Philosophen Hermann Lübbe und wurde vom Soziologen Hartmut Rosa aufgegriffen. Er besagt, dass die Phase der Gegenwart sich ob der rasenden Beschleunigung immer mehr verkürzt. Aufgrund der wachsenden Zahl wissenschaftlicher und technischer Neuerungen veralten Informationen immer schneller; der Aufenthalt in der Gegenwart wird immer kürzer. Sprich: Die Gegenwart schrumpft und die Vergangenheit rückt ihr immer näher.“ [1] Möglicherweise wird irgendwann erlebt, dass die Vergangenheit wieder da ist, obwohl die Zeit voranschreitet und uns doch eine Zukunft bescheren sollte. Wie ist so etwas überhaupt möglich? Warum führt eine „Gegenwartsschrumpfung“ dazu, dass sich Zukunft und Vergangenheit vereinen können?

Die Urzeit

 In der Urzeit, also vor Jura und Kreidezeit, kam es häufiger zum Verlust des Sauerstoffs. Das gesamte Leben in den Meeren starb und es wurden die Bedingungen für unsere großen Ölfelder[2], die uns den Kohlenstoff gebracht haben, geschaffen. Dieser Verlust des Sauerstoffes stand im Zusammenhang mit einem extremen Treibhausklima. Das Eis der Erde schmolz und der Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre stieg extrem an. Dieser Treibhauseffekt trat zeitgleich mit dem Ersticken der Meere auf. Man darf sich solch ein Treibhaus aber nicht als tropisches Paradies vorstellen. Die Erde war krank, weite Teile des Globus waren vergiftet und ein Leben war kaum möglich. Der Regen war extrem säurehaltig und er verbrannte die Vegetation und verätzte die Böden und auch das Gestein. Extrem giftiger Schwefelwasserstoff entwich aus den sauerstoffarmen Ozeanen und stieg in die Atmosphäre. Das System „Leben“ hat sich also damals selbst zerstört. Dies geschah häufiger auf unserem Planeten, weil u.a. zu viel CO2 in der Atmosphäre war.

 In der Zeit vor Jura und Kreidezeit hätten wir Menschen nicht leben können. Wie ich an anderen Stellen schon betont habe, ist das Verhältnis von Kohlenstoffdioxid (CO2) und Sauerstoff (O2) essenziell für die Atmosphäre und damit für das Leben. Vor der Zeit des Jura betrug das Verhältnis CO2 – O2 in etwa 1:14, damit war menschliches Leben nicht möglich. Bedingt durch die fortschreitende Begrünung der Erde und die damit verbundene Photosynthese (Kohlenstoffbindung) in Pflanzen und auch im Mutterboden, sank anschließend die CO2 – Konzentration auf circa 200 ppm ab.

Während dieser Zeit schwankte die CO2 – Konzentration zwischen 180 und 270 ppm. Kam eine Eiszeit, lag die Konzentration bei 180 ppm, in Warmzeiten bei 270 ppm. In der Folgezeit gab es einige Eis- und Warmzeiten[3], die CO2 – Konzentration der letzten 800.000 Jahre lag aber immer in der genannten Schwankungsbreite. Wie lassen sich nun diese Zahlen belegen? Dazu werde ich mich morgen (kurz) im nächsten Blog äußern.

Zukunft und Vergangenheit

 Das System, mit einer gegenwärtigen Konzentration von 415 ppm, ist instabil und mit zunehmenden Abweichungen schwinden die Selbstheilungskräfte der Natur. Dr. Beckmann hat im Jahre 1994 folgendes konstatiert: Wenn der CO2-Gehalt auf 500 ppm stiegen würde, hätten wir die gleichen klimatischen Bedingungen wie vor 60 Millionen Jahren. Wir verbrennen gigantische Mengen an Kohlenstoff (jeden Tag über 65 Millionen Tonnen), haben einen sehr hohen Energieumsatz und verwandeln die Erde wieder in ein Treibhaus. In einem schwindelerregenden Tempo werden Prozesse beschleunigt und das, von neoliberalen Ökonomen vergötterte, Wirtschaftswachstum[4] ruiniert die Natur[5]. Die kürzlich veröffentlichten Warnsignale aus der Arktis zeigen, wie unerwartet schnell unser Klima kippen kann und der rasante Rückgang des Polareises beschleunigt den Klimawandel. Die Steigerung der CO2 – Konzentration muss aber gestoppt werden, um menschliches Leben auf der Erde zu gewährleisten. Ansonsten werden zunehmend Viren und schwerwiegende Infektionskrankheiten auf uns zukommen. Wenn sich unsere Art zu wirtschaften nicht grundlegend ändert, werden wir erleben, dass in einer zunehmenden Geschwindigkeit sich weitere Viren explosionsartig ausbreiten und irgendwann werden wir erleben  – nein, wir werden es nicht erleben, wie sich Zukunft und Vergangenheit vereint und das urzeitliche Treibhaus zurückkehrt.

[1] Albrecht von Lucke, Kühnert-Debatte: Die große Zukunftsverdrängung, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Berlin, Juni 2019, S.11

[2] In meinem Buch „Die Vergötterung der Märkte“ habe ich ein großes Kapitel über die Entstehung, Entdeckung, Herstellung und Vermarktung des Rohöls verfasst. Ansonsten finden sich auf dieser Homepage unter Blogs (oben im Reiter) einige Artikel zu der Rohölproblematik.

[3] Klimaleugner argumentieren fälschlicherweise häufig mit den früheren Warm- und Kaltzeiten. Sie verstehen aber auch nicht den Unterschied zwischen Klima und Wetter.

[4] Wer sich für den Zusammenhang von CO2 – Wachstum und ökonomischem Wachstum interessiert, findet auf meiner Homepage Material dazu.

[5] Davon ist auch die sog. Digitalisierung nicht ausgeschlossen. In einigen Blogs habe ich beschrieben, dass das Smartphone mittlerweile der Klimakiller Nr. 2 ist.