AllgemeinUmweltWirtschaftswachstumSind wir wirklich im Krieg?

19. März 2020

Manchmal ist man überschwänglich und lässt sich zu solchen Überschriften hinreißen. Natürlich muss Emmanuel Macron diese Sprache wählen, damit der Ernst der Lage erkannt wird. Aber kann ein hirnloses und unsichtbares Virus böse sein oder einen Krieg führen? Wohl eher nicht.

Um eine nüchterne Diskussion zu führen ist die Sprache einer Greta Thunberg hilfreicher. Sie formulierte im letzten Jahr auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos: Ich will das ihr in Panik geratet. Und damit hat sie recht. Wir führten die letzten 70 Jahre Krieg gegen die Natur. Ist der Krieg nun vorbei und die Natur hat gewonnen?

Greta Thunberg, die auf die Klimaforscher hört, wird es ähnlich sehen: Der Begriff Klimawandel ist viel zu eng, er wird inflationär benutzt, viele Menschen bezweifeln sogar den Klimawandel und meinen mit diesem Ausdruck das Wetter. Es gibt sogar Menschen, die der Auffassung sind, dass der Klimawandel von Meinungen abhängt. Aber darum geht es nicht im Entferntesten – es geht um die Fragilität der Natur. Der empfindlichste Teil der Natur ist unsere einmalige Atmosphäre, die unser Klima regelt und ganz besonders geschützt werden muss. Das Klima hat zunächst mit dem Wetter nichts zu tun. Der von mir gestern empfohlene Artikel  https://duepublico2.uni-due.de/servlets/MCRFileNodeServlet/duepublico_derivate_00011326/04-Beckmann.pdf  aus dem Jahre 1994 erklärt die Sachlage sehr gut und ist auch für den Laien verständlich.  Allerdings sind die Zahlen veraltet (z.B. 360 ppm) und die Schlussfolgerungen entsprechend optimistisch. 26 Jahre später stellt sich aber ein  pessimistisches  Szenario dar. Aber darum geht es mir nicht. Entscheidend ist, dass es von der CO2 Konzentration abhängt, wie sich das Leben, und dazu gehören auch die Viren, auf der Erde darstellt.

Da ich die letzten Jahre sehr viele Blogs und Zeitungsartikel zu diesem Thema geschrieben und auch noch ein Buch darüber verfasst habe, möchte ich die nächsten Tage nutzen, um die wichtigsten Passagen, die auch teilweise auf dieser Homepage zu finden sind, noch einmal zu veröffentlichen. Bleibt gesund und munter und beendet die Kriegsführung gegen die Natur.

Die Konzentration macht es

Wie überall im Leben und in der Natur – auf die Konzentration kommt es an. Schätzungen gehen davon aus, dass die Erdbevölkerung jeden Tag  80 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) Öl verbrennt und demzufolge mindestens 65 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre verbringt; der Planet kann diese große Menge nicht absorbieren. Wie ich schon mehrfach ausgeführt habe, ist es unstrittig, dass die CO2-Konzentration[1] im Jahre 1860 circa 293 ppm (parts per million; in einer Million Liter Luftgemisch befinden sich 293 Liter CO2) betrug. Im Jahre 1972 betrug sie circa 315 ppm, im Jahre 2000 waren es schon 380 ppm und im Jahre 2015 wurde die Grenze von 400 ppm geknackt, Tendenz steigend. (Anmerkung (19.03.2020): Die Forschungsstation Mauna Loa hat kürzlich den Wert von 415 ppm bestätigt.) Prozentual ausgedrückt betrug die Steigerung von 1860 bis 1972 (also innerhalb von 112 Jahren) 7,5 Prozent; von 1972 bis 2017 (innerhalb von nur 45 Jahren) 30,16 Prozent. Wenn die CO2 Konzentration 440 ppm übersteigt, ist das 2 Grad Ziel nicht mehr zu erreichen und wir werden unsere gewohnte Erde, das Wetter und die Natur nicht mehr wiedererkennen. Auch wenn CO2 in geringer Dosierung ungiftig ist und dem Menschen nicht unmittelbar schadet, wird die Natur aber mit solchen Konzentrationen nicht fertig.

Im Unterricht hat sich ein Schüler die oben genannten Zahlen angesehen, gerechnet und mir dann erklärt, dass die Atmosphäre nur 0,04 Volumenprozent CO2 enthält. Seine Rechnung war vollkommen richtig. Seine Schlussfolgerung: Diese verschwindend kleine Menge kann doch kein Klimakiller sein. (Anmerkung (19.03.2020): Heute ist uns hoffentlich bewusst, dass auch ein unsichtbares Virus ein Killer sein kann.) Solche Argumente tauchen leider immer häufiger im Diskurs auf und viele Menschen glauben daran. Aber auch hier gilt – die Konzentration macht es.

Aus den oben genannten Zahlen wird folgendes deutlich: Seit wenigstens 800.000 Jahren lag der Kohlenstoffdioxid – Anteil immer unterhalb 300 ppm, das entspricht 0,03 Volumenprozent. Zu Beginn der Industrialisierung wurden 280 ppm, also 0,028 Volumenprozent gemessen. Im Jahre 1972 ist er schon sehr stark angestiegen auf 0,0293 Volumenprozent. Dies ist zwar sehr hoch aber aus menschlicher Sicht ein durchaus normaler Wert. Die anschließende Steigerung auf 0,04 Volumenprozent im Jahre 2015 ist, trotz dieser vergleichsweisen kleinen Zahl, besorgniserregend. Wir hatten vor vielen Millionen Jahren schon einmal eine CO2 – Konzentration von 0,08  bis 0,10 Volumenprozent. Diese Erde war unwirklich, krank und ließ kaum Leben zu. Dies ist deshalb schwer zu verstehen, weil wir Mensch kurzfristig in Räumen leben und arbeiten können, die ebenfalls ein CO2 – Gehalt von 0,08 Volumenprozent haben.

Natürliche und technische Vorgänge sind etwas Grundverschiedenes, denn die Natur gehorcht keinem (autistischen) Algorithmus, sie ist natürlich nicht digital und auch häufig nicht berechenbar. In der Natur kommen beispielsweise die ungiftigen Stoffe Kalium, Stickstoff und Kohlenstoff vor. Jeder Stoff ist absolut harmlos und kann, in kleinen Dosierungen, problemlos „konsumiert“ werden. Ohne diese Elemente könnten wir nicht leben. Wenn diese und andere Stoffe eine Verbindung eingehen entsteht Cyankali. Nur 0,23 Gramm dieser Verbindung ist für uns Menschen tödlich. Dies bedeutet, dass ein Mensch, der beispielsweise 80 Kilogramm wiegt nur 0,0002875 % seines Körpergewichts an Cyankali einnehmen muss, um den Tod herbeizuführen. Cyankali scheint ein Killer zu sein, obwohl die einzelnen Bestandteile ungiftig sind und die Menge von nur 0,23 Gramm verschwindend gering ist. Wer es nicht glaubt, sollte es bitte nicht ausprobieren.

Die Natur und auch das Klima sind träge Systeme

Die Natur ist zwar ein robustes aber auch ein fragiles System und bestimmte CO2 – Konzentrationen können durch Bäume und Meere absorbiert werden. Die Aufnahmefähigkeit der Natur ist aber schon lange überschritten und wenn wir so weitermachen, wird sich die Erde von selbst vergiften. Eine auf Wirtschaftswachstum ausgerichtete Ökonomie führt dazu, dass der CO2 – Ausstoß ebenfalls ungebremst wächst. Wenn wir in Deutschland mit dem Lebensstandard der 1970 er Jahre zufrieden wären, könnten die Klimaziele möglicherweise erreicht werden. Aber, in jedem deutschen Haushalt befindet sich inzwischen so viel Energie wie noch nie. Da die Energieumwandlung ständig zunimmt verschieben sich die Gleichgewichte. Auch wenn es die Konzerne nicht gerne hören und die Shareholder ihren „value“ beanspruchen: Die Energiebilanz der Erde ist mittlerweile viel wichtiger als die monetären Bilanzen der Konzerne. Der Energieumsatz muss heruntergefahren werden, auch wenn sich dadurch die monetären Umsätze der Konzern reduzieren.

Die Erde empfängt eine gewisse Energiemenge durch die Strahlung der Sonne und gibt im Mittel etwa die gleiche Energiemenge durch Strahlung in den Weltraum wieder ab. Durch die konstante Kohlenstoffdioxid – Konzentration konnte das Klima, über einen sehr langen Zeitraum, stabil gehalten werden. Es gab in diesem Zeitraum einige Warm- und Kaltzeiten. Die letzten 250 Jahre kam die, von Menschen erfundene, Energietechnik dazu, die freigesetzte Energiemenge wurde erheblich gesteigert und deshalb sind heute die Energieumsätze auf einem extrem hohen Niveau. Somit wurde der Energiehaushalt der Erde aus dem Gleichgewicht gebracht. Die Zeiten der hemmungslosen Ausbeutung sind aber endgültig vorbei. Die etablierten Ökonomen stehen dem Problem der Rohstoffverknappung und des Energiehaushalts der Erde hilflos gegenüber. Ihre Erkenntnisse passen nur in eine unrealistische Welt, in der die Ressourcen unerschöpflich sind. Wir erzählen uns seit 400 bis 500 Jahren ein Märchen, das mittlerweile bezweifelt werden muss. Das Märchen lautet: Die Natur, der Anbau- und Abbauboden und auch die Atmosphäre sind reaktionsträge und damit beherrschbar. Die Menschen können der Natur jederzeit ihren Willen aufzwingen. Wer glaubt eigentlich noch solche Märchen?

Fazit

Im Internet kursieren mittlerweile sehr viele Zahlen und Werte zur CO2 – Konzentration. Da die Werte sehr klein sind, aber trotzdem eine große Wirkung auf das Klima haben, werden die CO2 – Konzentrationen nicht nur verniedlicht, sondern die Klimagegner nutzen diese Zahlen, um den Klimawandel zu leugnen. Zur Verdeutlichung: 300 ppm  (parts per million; in einer Million Liter Luftgemisch befinden sich 300 Liter CO2) werden mit 0,03 Volumenprozent dargestellt. 0,03 % ist eine relative Zahl und sie bezieht sich natürlich auf 100 (Prozentrechnung). Wenn wir den absoluten Wert ausrechnen, müssen die 300 ppm durch 1.000.000 geteilt werden und wir erhalten dann 0,0003  CO2 (absoluter Anteil). Diese Zahl ist außerordentlich klein und zeigt uns die absolute Fragilität der Atmosphäre.  Sie ist der sensibelste Teil der Natur und muss geschützt werden, weil sie uns Leben auf der Erde schenkt. Der Mond hat keine Atmosphäre, sondern nur eine sehr dünne Gashülle. Durch die Sonnenstrahlung wird der Mond tagsüber auf mehr als 100 Grad Celsius aufgeheizt, nachts senkt sich die Temperatur auf minus 160 Grad. Wenn die Erde keine Atmosphäre hätte, würden wir ähnlich Temperaturen wie auf dem Mond haben.

[1] Dies wird mit Eisbohrkernen ermittelt. Wie solche Messungen zustande kommen, habe ich in diversen Blogs, auch auf dieser Homepage, beschrieben.