AllgemeinUmweltDie schöne Motorwelt

26. November 2019

Man sollte auch einmal die „Bildzeitung“ oder die „ADAC Motorwelt“ zur Hand zu nehmen, um herauszufinden, wie sich ein Großteil der Bevölkerung informiert. Dies gilt auch für das „Handelsblatt“- die Informationsquelle für Unternehmer, Kapitalanleger und Investoren.

In der „ADAC Motorwelt“, der auflagenstärksten deutschen Publikumszeitschrift, findet man in der November Ausgabe 2019 auf Seite 18 ff. einen ADAC-Vergleich zwischen den sogenannten SUV´s. Ich war gespannt. Schließlich kennt man sich mit dieser Autothematik nicht aus. Da ich sehr viel über den Klimawandel schreibe, mir aber das praktische Autowissen fehlt, habe ich den SUV-Faktencheck studiert. Zunächst musste ich mich orientieren. Was ist überhaupt ein BMW 630 D GT oder ein BMW X5 Xdrive 30D? Diese Typenbezeichnungen habe ich schon mal im Straßenverkehr gelesen und ich verbinde damit ziemlich dicke Autos.

Als ich auf Seite 22 des SUV-Tests angekommen war, wusste ich zwar, dass der BMW 6er GT ein Geheimtipp ist und dass die SUV´s der Marke Volvo groß und schwer sind. Dies habe ich eigentlich immer schon geahnt. Toller Test, hätte ich mir auch sparen können. Kein einziges Wort und keine Angabe über die interessanteste Zahl überhaupt: den CO2-Ausstoß.

Ein Rechenbeispiel

Ein Arbeitnehmer aus Paderborn arbeitet im benachbarten Bielefeld. Er fährt mit seinem umweltfreundlichen VW Golf (blue motian) jeden Arbeitstag 50 km hin und die gleiche Strecke wieder zurück. Der Ableger der Bildzeitung, die „Autobild“, behauptet, dass dieses Fahrzeug 126 gr. CO2 pro Kilometer emittiert, die „ADAC Motorwelt“ geht von 145 gr. aus und VW-Händler sprechen von 100 gr. Nehmen wir für unseren Pendler einen Mittelwert von 130 gr. Das bedeutet, es werden pro Tag 100 km x 130 gr. = 13.000 gr., also 13 kg. emittiert. Wenn nun dieser Arbeitnehmer an 220 Tagen im Jahr zur Arbeit fährt stößt er 13 Kilogramm x 220 Tg. aus, das macht 2,86 Tonnen. Um die Klimakatastrophe abzuwenden, darf jeder Erdenbürger nur drei Tonnen CO2 pro Jahr produzieren. Insofern hat der Golf blue motian -Fahrer bereits sein Limit erreicht. Er darf nicht mehr heizen, keine Urlaubsfahrten unternehmen, muss sein Smartphone verschrotten, nicht mehr konsumieren und auch keine weitere Energie verbrauchen.

Die CO2-Emission des „umweltfreundlichen“ VW-Golf blue motion ist schon sehr hoch und SUV´s haben noch wesentlich höhere Werte. Insofern spare ich mir eine weitere Recherche, denn das wäre Zeitverschwendung. Der BMW X5 Xdrive 30D emittiert deutlich mehr CO2, dass reicht mir schon. Das österreichische Umweltbundesamt ermittelt noch höhere CO2-Emissionen, weil sie auch den CO2-Ausstoß bei Förderung, Veredelung und Transport einkalkuliert. In Deutschland erzählen uns die Autohersteller aber die größten Märchen, weil sie noch kürzlich das sogenannte NEFZ-Verfahren zur Anwendung brachten, um die Werte zu schönen. Jetzt orientiert man sich am WLTP-Verfahren und stellt fest, dass die CO2-Werte wesentlich höher sind. Und selbst diese Werte stimmen nicht. Wie lange soll eigentlich die Märchenstunde auf dem Kinderspielplatz noch dauern?

Die Groko hat ein Klimapaket vorgelegt, dass „ein Triumph der Mutlosigkeit und ein Armutszeugnis für Angela Merkel“ [1] darstellt. Wir haben aber keine Zeit mehr, um Deutschland gemächlich in ein fossilfreies Zeitalter zu führen. Deutschland ist der drittgrößte Pro-Kopf-Klimasünder der Welt und stößt knapp 900 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr aus. Offensichtlich ist vielen Menschen, und hier schließe ich auch fast alle Politiker mit ein, überhaupt nicht bewusst, wie hoch dieser Wert ist.

Resümee

Auch wenn viele Autoren, Schriftsteller und Journalisten häufig behaupten, dass zum Klimawandel alles bewiesen und wissenschaftlich hinterlegt ist, muss trotzdem weiter aufgeklärt werden. Natürlich muss jetzt gehandelt werden, aber der Informationsfluss darf nicht abreißen. Kürzlich sprach mich ein intelligenter, circa 60-jähriger Bekannter an und behauptete, er habe über das Internet seinen CO2-Fußabruck ausgerechnet und er war erstaunt, dass der Fußabdruck so hoch sei. Das hat mich aus zweierlei Gründen sehr stark verwundert. Einerseits wissen wir, dass diese CO2 – Rechner geschönte Werte produzieren. Und andererseits bin ich eigentlich davon ausgegangen, dass die meisten Erwachsenen ihren CO2-Fußabdruck kennen. Dies scheint leider ein Irrtum zu sein – „Bildzeitung“ und „ADAC Motorwelt“ sei Dank.

 

[1] Albrecht von Lucke, Ende statt Wende: Das historische Versagen des Klimakabinetts, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Berlin, 11`19, S.5.