AllgemeinMarktFordismus, Taylorismus und Massenproduktion

21. April 2021

„Der Fordismus – benannt nach Henry Ford- basierte auf der Doppelstruktur von Massenproduktion und Massenkonsum.“

(Andreas Reckwitz)

Das Gesetz der Massenproduktion

Das Gesetz der Massenproduktion kommt dann zur Anwendung, wenn die Absatzmärkte außerordentlich groß sind. Dies trifft auf viele Produkte und Dienstleistungen des täglichen Lebens zu. Dieses Gesetz wird in der betrieblichen Praxis genutzt, es leistet aber auch für die mikroökonomische Fundierung der Volkswirtschaftslehre wichtige Dienste.

Das Gesetz der Massenproduktion wurde im Jahre 1910 vom Volkswirt Karl Bücher entwickelt. Es besagt, dass bei zunehmender Produktions- bzw. Ausbringungsmenge die Kosten pro Stück (Stückkosten) sinken, weil sich die fixen Kosten auf eine größere Stückzahl verteilen. Somit kann eine Unternehmung entweder die Preise senken, oder – bei konstant bleibenden Preisen – die Gewinne erhöhen. Dieses Gesetz gilt nicht nur in der industriellen Massenproduktion, sondern für alle Betriebe, die einen Fixkostenanteil haben und somit, mehr oder weniger, kapitalintensiv arbeiten.

Ausgangspunkt sind die gesamten Stückkosten (SG), die sich aus der Division der Gesamtkosten (KG) durch die Produktions- bzw. Ausbringungsmenge (M) ergeben:

 

Dabei setzen sich die gesamten Stückkosten (SG) aus fixen (Kf) und variablen (Kv) Stückkosten zusammen. Mit zunehmender Produktionsmenge sinken die gesamten Stückkosten (Sg) wegen der Fixkosten, die sich auf die größere Produktionsmenge verteilen, bei konstant bleibenden variablen Kosten. Somit wird eine Kostendegression bewirkt:   

.  

 

Der Flugverkehr

Beispielsweise kann eine beliebige Fluggesellschaft untersucht werden. Diese Fluggesellschaft hat fixe Kosten, die unabhängig von der Anzahl der Flüge sind. Unabhängig davon, ob zwei oder zweihundert Personen mitfliegen, die Flugzeuge müssen angeschafft und gewartet werden, die anteilige Miete für den Flughafen muss bezahlt werden. Auch fallen variable Kosten an, die von der Auslastung der Fluggesellschaft abhängig ist, beispielsweise die Gehälter der Piloten. Mit zunehmendem Flugbetrieb müssen mehr Piloten eingestellt werden. Nun wird unterstellt, dass die fixen Kosten 25.500,00 Euro und die variablen Kosten 100,00 Euro betragen. Die nachfolgende Tabelle geht von einer unterschiedlichen Anzahl von Flügen pro Periode aus, ordnet die entsprechenden Kosten zu und verdeutlicht den Sachverhalt:

 

Anzahl der Flüge pro Periode Fixe Kosten in Euro Variable Kosten in Euro Gesamtkosten in Euro Stückkosten in Euro (=Gesamtkosten dividiert durch Anzahl der Flüge)
  1

10

100

500

1.000

25.500

25.500,00

25.500,00

25.500,00

25.500,00

25.500,00

25.500,00

100,00

1.000,00

10.000,00

50.000,00

100.000,00

2.550.000,00

25.600,00

26.500,00

35.500,00

75.500,00

125.500,00

2.575.500,00

25.600,00

2.650,00

355,00

151,00

125,00

101,00

Dieses Zahlenbeispiel lässt sich noch lange fortsetzen. Die Stückkosten nehmen mit zunehmender Anzahl der Flüge pro Periode enorm ab. Fakt ist, wenn es der Fluggesellschaft gelänge, 25.500 Flüge zu verkaufen, würden sich die fixen Kosten auf 1,00 Euro je Flug reduzieren (25.500 / 25.500). Da ein Flug 100,00 Euro variable Kosten verursacht, könnte die Fluggesellschaft mit den Stückkosten von 101,00 Euro kalkulieren. Ein kleiner Gewinnzuschlag von 9,00 Euro pro Flug und Fluggast darauf gerechnet, und schon kann unsere Fluggesellschaft einen Flug für 110,00 € anbieten, ein schönes Schnäppchen für den Konsumenten. Der Produzent verschafft sich durch die günstigen Preise Wettbewerbsvorteile. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist dieses Gesetz sowohl für den Konsumenten als auch für den Produzenten vorteilhaft, weil die Gewinne durch geringe Stückkosten und einer steigenden Nachfrage maximiert werden.

Natürlich gilt dieses Bespiel auch für den CO2– Ausstoß. Je mehr Personen fliegen, desto geringer ist die CO2– Emission pro Person.  Dies ist die betriebswirtschaftliche Logik, die die sinkenden Stückkosten betrachtet. Die volkswirtschaftliche Logik ist aber eine andere, da an dieser Stelle die Gesamtkosten relevant sind. Wenn der Flugverkehr in den letzten vierzig Jahren um knapp vierhundert Prozent gestiegen ist, dann hat sich der CO2– Ausstoß auch um circa vierhundert Prozent erhöht. Technische Neuerungen und Innovationen trugen möglicherweise dazu bei, dass die Steigerung nicht ganz so hoch ausfällt. Die Gesamtemission nimmt aber zu und beschleunigt den Klimawandel. Deshalb ist es an dieser Stelle wichtig, einerseits die Betriebswirtschaftslehre und die Volkswirtschaftslehre streng voneinander zu trennen und andererseits die ökologischen Aspekte nicht außer Acht zu lassen.

Thin Lizzy

Der Amerikaner Henry Ford hat das Gesetz der Massenproduktion berühmt gemacht. Außerdem wurde Henry Ford von Frederick Winslow Taylor (1856-1915) beeinflusst, der Prozesssteuerungen von Arbeitsabläufen begründete. Durch die Elektrifizierung der Fabriken wurde die Möglichkeit geschaffen, umfangreiche Automatisierungen durchzuführen. Henry Ford setzte das Fließband ein, um die Produktion des damaligen Ford Modell T (Thin Lizzy) zu steigern. Der Arbeitsrhythmus musste sich dem Takt der Fließbänder anpassen und sich über biologische Grenzen hinwegsetzen. Auch hier griff das Gesetz der Massenproduktion. Im Jahre 1908 kostete ein Ford Modell T noch 825 Dollar. Durch die automatisierte Massenproduktion wurden die Stückkosten gesenkt und der Preis ging auf 345 Dollar zurück. Je mehr produziert und verkauft wird, desto günstiger kann die Ware angeboten werden. Oder anders ausgedrückt, die eingesetzte Technik bzw. das eingesetzte Kapital wird umso günstiger, je höher die Stückzahlen des produzierten Gutes sind. Die Gewinnsituation verbessert sich für die Unternehmung, weil eine höhere Stückzahl verkauft wird. Da Massenproduktion Massenkonsum[1] bedingt, wird dies nicht folgenlos für die Natur sein. Insofern ist auch das Gesetz der Massenproduktion geeignet, um das Umweltbewusstsein zu schärfen und die Bedingungen zur Erhaltung der Natur zu durchleuchten.

[1] Diese beiden ökonomischen Phänomene bedingen und verstärken sich wechselseitig.