Die COP 30 und die Klimagerechtigkeit

30. November 2025

»Es kommt nicht darauf an, den Menschen der Dritten Welt mehr zu geben, sondern ihnen weniger zu stehlen.« (Jean Ziegler)

Die Klimakonferenz 2025 (COP 30) in Belém (Brasilien) ist beendet und sie war, wie die meisten Klimakonferenzen, enttäuschend. Elf Tage lang haben über fünfzigtausend Teilnehmer aus 190 Ländern nach einem Ausweg aus der Klima-Katastrophe gesucht. Es konnte kein verbindlicher Fahrplan zum Ausstieg aus den fossilen Energieträgern Kohle, Öl und Gas festgelegt werden. Dies war auch in zurückliegenden Jahren nicht möglich, weil die fossile Lobby überproportional vertreten war. In Deutschland und Europa wurden die mageren Ergebnisse mit Enttäuschung aufgenommen. Man einigte sich auf das, was schon bei der COP 28 in Dubai beschlossen wurde. In Dubai würde erstmals in der Geschichte der Klimakonferenzen überhaupt der Begriff „fossile Energien“ erwähnt. Die Klimagerechtigkeit scheint aus dem Fokus der Klimakonferenzen geraten zu sein.

Um sich der Klimagerechtigkeit zu nähern, ist ein Bibelzitat hilfreich. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn erzählt Jesus eine Familiengeschichte von einem Vater und seinen zwei Söhnen (Lukas 15,11-32). Ein Vater hatte zwei Söhne, denen er sein ganzes Geld vererben wollte, sobald er stirbt. Doch der jüngere Sohn wollte nicht warten: Er bat seinen Vater schon vorher um seinen Anteil. Der Vater gab ihm das Geld und der jüngere Sohn verließ sein Zuhause. Er reiste in ferne Länder und gab sein Geld für all seine sündhaften Begierden aus. So lebte er ein derart ausschweifendes Leben, bis sein ganzes Geld verschwendet war. Der ältere Sohn fühlt sich ungerecht behandelt, als sein Bruder nach Hause zurückkehrt und von seinem Vater liebevoll begrüßt wird — und dass, obwohl er sein gesamtes Erbe verschwendet hat. Nun will der heimgekehrte Sohn wieder im Kreise der Familie leben. Der Vater freute sich über die Rückkehr seines verlorenen Sohnes und gab ein Fest.

Auf den Klimawandel bezogen, stellt sich die Frage, ob Menschen, die ihren Anteil schon durchgebracht haben, vom Anteil der anderen leben dürfen. Die reichen Industrieländer haben schon vor über 250 Jahren damit angefangen Rohöl auszubeuten und CO2 auszustoßen. Die fossilen Stoffe trugen erheblich zum Reichtum und Wohlstand der Industrieländer bei. Somit haben sie sich ökonomische Vorteile gegenüber der restlichen Welt verschafft und ihre Anteile gesichert. Jetzt merkt der globale Norden, dass der Klimakollaps droht. Nach den Berechnungen der Wissenschaftler Andrew Fanning und Jason Hickel haben die 39 Länder des globalen Nordens ihr CO2-Budget bereits im Jahr 1986 aufgebraucht. Selbst wenn die 129 Länder des globalen Südens keinen Klimaschutz betreiben würden, wäre ihr durchschnittlicher CO2-Anteil erst im Jahr 2048 aufgebraucht. Die Studie der Wissenschaftler Fanning und Hickel belegt, dass Deutschland schon in den 1980er Jahren das faire Budget für die 1,5 Grad Erderwärmung überschritten hat. Unter dem Gesichtspunkt der Klimagerechtigkeit müsste der globale Norden auf das Autofahren verzichten, keine Flugreisen und Kreuzfahrten mehr unternehmen und die Öl- und Gasheizungen abstellen. Deutschland lässt sich aber Zeit mit dem Ziel der Klimaneutralität. Man möchte diese angebliche und fragwürdige Klimaneutralität erst im Jahr 2045 erreichen. Somit ist der globale Norden nicht nur für die drohende Klimakatastrophe verantwortlich, sondern hat auch noch beträchtliche Klimaschulden bei den Ländern des globalen Südens. Der Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC) beziffert diese Schulden auf 192 Billionen Dollar.

Im Gegensatz zum zurückgekehrten Sohn aus dem Gleichnis der Bibel, ist der globale Norden weder verarmt noch bescheiden oder gar reumütig. Insofern unterscheidet sich das genannte Gleichnis aus der Bibel deutlich von der Realität und natürlich gibt es keine Klimagerechtigkeit. Dafür sorgen schon die Länder des globalen Nordens und die fossile Lobby, die mit der Amtsübernahme von Donald Trump im November 2024 weltweit zunehmend Einfluss gewinnt.

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