»Wenn Menschen vor allem das sehen, was ihre eigene Sicht bestätigt, entstehen abgeschlossene Informationsräume. Widerspruch verschwindet.« (Nina Kolleck)
Medien wie NiUS, Bild oder Welt freuen sich regelmäßig, wenn Markus Lanz in seiner gleichnamigen Sendung Politikerinnen und Politiker des linken Spektrums vorführt. Seine Masche ist immer gleich und verfängt scheinbar beim geneigten Publikum. Ob nun Ines Schwerdtner (Linke), Franziska Brantner (Grüne) oder der Generalsekretär der SPD, Tim Klüssendorf, zu Gast sind – wenn es beispielsweise um die Vermögensteuer geht, will Lanz genaue und detaillierte Informationen. Zugegeben, der Generalsekretär der SPD hat eine sehr schlechte Figur gemacht, weil er einfache Fragen nicht zielführend beantworten konnte. Das geht eigentlich nicht. Wenn man schon in solch eine Sendung geht, sollte man gut vorbereitet sein.
»Die Welt nähert sich einer globalen Diktatur der Superreichen.« (Ute Scheub)
Grundsätzlich laufen die „Befragungen“ von Markus Lanz zum Thema Vermögensteuer folgendermaßen ab: Markus Lanz fragt, wie hoch soll der Steuersatz dann sein? Häufige Antworten sind dann sinngemäß, dass dieses noch geprüft werden muss. Lanz hakt nach und will einen Prozentsatz wissen. Wenn jetzt die Antwort 2 oder 3 Prozent lautet, hat man verloren. Dann bohrt und bohrt Lanz immer weiter. Meinen Sie 2 oder 3 Prozent? Was bringt das für den Bundeshaushalt an Mehreinnahmen? Et cetera, et cetera. Irgendwann landet man dann beim Betriebsvermögen und bei der Abwanderung reicher Menschen (sog. Leistungsträger) ins Ausland. On top kommt dann noch der Verlust von Arbeitsplätzen. Wenn die Fragen nicht genau beantwortet werden, dann wirft Lanz seinen Gästen vor, sie würden Nebelkerzen zünden. Na ja, das Muster ist immer gleich und durchschaubar. Die zweifelhaften Argumente (Betriebsvermögen, Abwanderungen und Arbeitsplatzverlust) habe ich auf dieser Homepage immer wieder kritisiert und auch entlarvt.
Als Zuschauer frage ich mich dann, warum die befragten Gäste nicht einen anderen Ansatz wählen. Ein Beispiel: In Deutschland wissen wir alles über arme Menschen. Falls sie Transferleistungen beanspruchen wollen, müssen sie ihr Vermögen sehr genau bei den Behörden angeben. Wenn dann das Sparbuch, dass meistens nicht üppig gefüllt ist, nicht angegeben wird, folgen empfindliche Kürzungen der staatlichen Leistungen. Mit Sanktionen wird Wohlverhalten erzwungen.
Im Gegensatz zur Armut, gibt es beim Reichtum keine offizielle Definition. Weil es viele Datenquellen gibt, ist es der Forschung möglich, Armut zu quantifizieren und Grundsicherungsempfänger absolut zu kontrollieren und zu sanktionieren. Über die Reichen im Lande weiß man hingegen wenig, weil sie ihr Vermögen gut verstecken können. Es gibt zwar einen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, der ist aber hinsichtlich des Reichtums kaum aussagefähig. Es fehlen verlässliche Zahlen. Sicherlich lässt sich das Bruttoinlandsprodukt durch die Anzahl der Bundesbürger dividieren. 4.470 Mrd. Euro (BIP) lässt sich leicht durch 83,5 Mill. Bundesbürger teilen. Im Ergebnis kommt dann 53.532,93 Euro heraus. Das ist dann die durchschnittliche Wertschöpfung eines jeden Bundesbürgers, Klein- und Schulkinder, Studenten, Arbeitslose und Rentner mitgerechnet. Diese und ähnliche statistischen Tricks[1] kommen auch im o.g. Bericht zum Tragen. Auf Seite 105 des Berichts steht dann:
„Die maßgeblichen Datenquellen für die nachfolgenden Betrachtungen sind das Soziooekonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, das MikrozensusKernprogramm26 (Mikrozensus), sowie die amtliche Hauptdatenquelle zu Einkommen und Lebensbedingungen in Deutschland (EU-SILC) des Statistischen Bundesamtes. Alle drei Datenquellen basieren auf der Befragung einer Stichprobe der Bevölkerung.“
Aha, die Daten basieren auf stichprobenartige Befragungen. Hier wird dann so getan, als wenn reiche Menschen ihr Vermögen freiwillig und wahrheitsgemäß angeben. Ich mag mir nicht vorstellen, wie ein Interviewer eines Wirtschaftsforschungsinstituts beispielsweise bei Dieter Schwarz (Lidl, Kaufland u.v.m.) an der Haustür klingelt und um eine Befragung zu seinen Vermögensverhältnissen bittet. Ich glaube kaum, dass Herr Schwarz einen Interviewer eines Forschungsinstituts in sein Haus lassen würde. Das wäre geradezu grotesk. Kurzum, der Reichtumsbericht in Deutschland ist eine Lachnummer, die auf statische Wahrscheinlichkeiten und Schätzungen beruht. Im Statistik-Studium habe ich gelernt, dass wir keiner Statistik trauen sollen, die wir nicht selbst gefälscht haben.
Zurück zu Markus Lanz. Um die Fragen rund um die Vermögensteuer zu beantworten, gibt es nur eine Antwort. Wir benötigen dringend eine Vermögensteuer damit wir in Deutschland nach über 30 Jahren mal wieder erfahren, wie es um den Reichtum bestellt ist. Dabei wäre ein anfänglicher Steuersatz von 0 Prozent durchaus denkbar. Entscheidend ist doch, dass reiche Menschen ihr Vermögen vor einer deutschen Behörde offenlegen müssen. Eine erzwungene und unterschriebene Vermögensteuererklärung würde den Nebel der Nebelkerzen der reichen Menschen verblassen lassen. Dann hätte man zunächst verlässliche Zahlen, um die weitere Planung der Vermögensteuer voranzutreiben und zielführende Steuersätze festzulegen. Die Offenlegung wird wohl nicht dazu führen, dass reiche Menschen abwandern und Arbeitsplätze vernichten. Die erhobenen Daten könnte man dann in künftigen Armuts- und Reichtumsberichten ähnlich aufbereiten wie die Daten der armen Menschen und eine zielführende Vermögensteuer würde Bund, Länder und Kommunen entlasten.
Nachtrag zu den Rechenkünsten des Markus Lanz
Ich bin mittelmäßig entsetzt über die Rechenkünste des Moderators. Die Prozentrechnung wird in der 6. Klasse unterrichtet. Nun kommt ein Markus Lanz daher und behauptet in seiner Sendung zur Vermögensteuer sinngemäß: »Wenn ich 10% meines Vermögens versteuern muss, ist es in 10 Jahren weg.« Diese mangelnden mathematischen Kenntnisse sind mehr als traurig. Dass die entsprechende Politikerin der Linken dies nicht zielführend kontern konnte, ist noch trauriger. Ich könnte diesen Blog jetzt weiter fortsetzen und die Unsinnigkeit der Behauptung unter den Gesichtspunkten der Verzinsung, der Zinseszinsrechnung und der steuerrechtlichen (mathematischen) Einordnung untermauern. Machen wir es uns mal ganz einfach und begeben uns in die 6. Klasse. Auch wenn die nachfolgende Argumentation für die Vermögensteuer fehlerhaft und viel zu oberflächlich ist, müsste jeder Schüler ab der 6. Klasse wissen, was mit einem fiktiven Vermögen von 100,00 Euro im Falle einer Besteuerung von 10 Prozent geschieht.
100,00 x 10% ergibt 10,00 Euro, der Restbetrag ist 90,00 Euro. Wenn die 90,00 Euro wieder mit 10% versteuert werden, bleiben 81,00 Euro (90,00 x 10%) übrig. Jetzt könnte man die Rechnung weiter fortsetzen, es werden niemals 0,00 Euro als Restvermögen übrigbleiben. Markus Lanz macht den Fehler (und dies ist bei vielen Schülern aus der 6. Klasse zu beobachten), dass er immer wieder von 100,00 Euro, statt vom verminderten Betrag, ausgeht.
[1] Demnach müsste ein vierköpfiger Haushalt (Vater, Mutter und 2 Kleinkinder) im Durchschnitt jährlich 214.131,72 Euro (53.532,93 € x 4) zur Verfügung haben.






































































































