Warum dieses Narrativ so gefährlich ist.
»Die alte Welt liegt im Sterben, die neue ist noch nicht geboren. Es ist die Zeit der Monster.« (Antonio Gramsci)
Der gegenwärtige US-Präsident, Donald Trump, ist ein Sinnbild für den fossilen Protektionismus und rechtslibertäre Unternehmer träumen von anarchokapitalistisch organisierten Gesellschaften, die das ungeschminkte Recht des Stärkeren befürworten.[1] Somit wird die Stärke des Rechts zurückgedrängt durch das Recht des Stärkeren. Auch wenn in den Medien zunehmend vom Recht des Stärkeren die Rede ist, muss festgehalten werden, dass es kein Recht des Stärkeren gibt. Trotzdem taucht dieser Begriff immer wieder auf, vor allem im Zusammenhang mit internationalen Konflikten. Ein Recht des Stärkeren existiert aber nicht, es ist die illegitime Machtausübung, die weder einen Rechtsanspruch anerkennt noch in irgendeiner Form rechtlich kodifiziert ist. Es wird lediglich die territoriale Integrität von Staaten völkerrechtswidrig mit Füßen getreten. Somit wird nicht nur militärische und ökonomische Macht ausgeübt, es werden auch Unwahrheiten und Lügen verbreitet.
Wie ich bereits ausgeführt habe, ist die antidemokratische Haltung in der Tech-Branche sehr ausgeprägt. Neben Elon Musk und Peter Thiel gehören die Risikokapitalgeber Marc Andreessen und David Sacks ebenfalls zu den sogenannten Bros dieser Branche. Frauen, Homosexualität und Gleichberechtigung spielen bei diesen Brüdern (Bros) keine Rolle. Sie verachten Organisationen und Institutionen die Maßnahmen von benachteiligten Minderheiten fördern. Dies gilt auch für die Universitäten. Wie viele Ultrareiche in der Welt glauben auch die Bros, dass sie über dem Gesetz stehen und das sie keinerlei Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft haben. Der kategorische Imperativ (Immanuel Kant) ist ihnen vollkommen fremd, er wird sogar von einigen Vertretern der Bros ausdrücklich abgelehnt. „Von Hegel stammt der bestechende Gedanke, dass die Bürger vereinzeln, wenn sie dem Staat und der Obrigkeit nicht mehr in Kooperationen, Vereinen oder Institutionen gegenübertreten. Und wenn sie vereinzeln, dann können sie sich nicht mehr gegen die Herrschenden zur Wehr setzen. Ein solcher Verlust an Eigenmacht schadet der Demokratie.“ [2] Wenn die Oligarchen der Welt und Trump & Co. meinen, dass sie die Justiz beeinflussen und aufhalten können, weil sie mit einer Mehrheit gewählt worden sind, dann haben sie weder den Rechtstaat verstanden, noch verhalten sie sich demokratisch. Sie meinen, dass sie das Recht des Stärkeren zum Rechtsprinzip machen können. Dies ist aber vollkommen falsch. Die Politik, also der Souverän, soll und muss „an die Kette des Rechts gelegt werden. Es soll nicht gelten, was eine Mehrheit will, sondern das, was ein Gericht für rechtmäßig erklärt.“ (Jörg Baberowski) Steuerzahlungen, liberale Institutionen und die Demokratie werden von Anarchokapitalisten, Nationalkonservative, Technofaschisten und libertär Autoritäre ins Visier genommen. Die Stärke des Rechts wird mit Füßen getreten und es soll das Recht des Stärkeren gelten. Dabei wird übersehen, dass dadurch die normative Ordnung untergraben wird. »Was nur mit Gewalt oder Erpressung durchgesetzt werden kann, das ist kein Recht.«[3]
Nach neoliberaler Auffassung sollen sich abhängig Beschäftigte wie Unternehmer fühlen, die für die bestmögliche Verwertung ihrer Arbeitskraft verantwortlich sind. Der Unternehmer erhält für die Verwertung seines Kapitals eine Risikoprämie, den Gewinn. Wenn er die passende Rechtsform wählt, kann er noch zusätzlich von einem Geschäftsführergehalt partizipieren. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen mit sinkenden Reallöhnen zurechtkommen und mit der Angst, den Job, Einkommen, Status und Anerkennung zu verlieren. In dieser Gemengelage gibt es keinen gerechten Markt und erst recht keinen gerechten Arbeitsmarkt. Es ist einer der größten ökonomischen Mythen überhaupt, dass der Markt gesellschaftliche Probleme lösen kann. Auch auf den Märkten herrscht mittlerweile das Recht des Stärkeren und damit wird die gesellschaftliche Sittlichkeit unterminiert. »Wenn illegale Handlungen nicht mehr klar als solche benannt werden, wird die normative Kraft des Rechts – also die Fähigkeit, Handlungen und Bewertungen zu steuern – geschwächt, während der negative Nachahmungseffekt wächst.«[4] Dies wird durch die Politik des Präsidenten Trump in den USA immer deutlicher und die Nachahmer dieser fehlgeleiteten Politik finden sich zunehmend in vielen Staaten der Welt. Die Rhetorik bezieht sich häufig auf Charles Darwin und es wird das Recht des Stärkeren fehlerhaft interpretiert.
MIt Macht und Gewalt
Fritjof Capra beschäftigte sich unter anderem mit Charles Darwin und stellt die Theorien von Darwin in einen größeren Zusammenhang. Ökonomen tendieren häufig dazu, die Theorien von Darwin, falls sie sich damit beschäftigen, zu verengen und in ein wirtschaftliches Korsett zu pressen. Darwin hat zwar die Menschheit den Tieren zugeordnet, aber auch klar formuliert, dass das Recht des Stärkeren beim Kulturwesen Mensch seine Grenzen findet. Dieses ominöse Recht wurde in den letzten Jahren sprachlich verharmlost, begrifflich verschleiert und Ansprüche lassen sich scheinbar auch einfach mit Macht und Gewalt durchsetzen. »Durchgesetzt werden kann der Anspruch nur durch ökonomische oder militärische Erpressung; und gerade deshalb handelt es sich eben nicht um Recht, denn aus der bloßen Macht erwächst gerade kein Recht (in der Philosophie spricht man von einem naturalistischen Fehlschluss).«[5] Für eine Gesellschaft wird es dann problematisch, wenn das Gefühl der Überlegenheit von reichen und mächtigen Menschen vermittelt wird. Die Abwertung von arbeitslosen und armen Menschen hat in der Gesellschaft stark zugenommen. Dies ist beschämend, weil reiche Menschen keineswegs leistungsfähiger sind und über einen überlegenen und tugendhaften Charakter verfügen. Im Gegenteil. Selten haben reiche Menschen ihr Vermögen erarbeitet. Meistens ist es vererbt worden und die Erben leben von den Zinsen, also vom leistungslosen Einkommen. Im Gegensatz zu reichen Menschen sind arme Menschen häufig nicht sozial schwach.
[1] In Amerika ist die Literatin Ayn Rand (1905-1982) mit ihrer Philosophie des reinen Kapitalismus, ohne jeden staatlichen Einfluss, eine vielgelesene Ikone.
[2] Jörg Baberowski, Demokratie beruht auf Regeln, nicht auf Werten, in: der Freitag Nr. 21 vom 21.05.2026, S. 14.
[3] August Pradetto, Als müsste es so sein, in: der Freitag, Nr. 19, vom 07.05.2026, S.8.
[4] August Pradetto, Das »Recht des Stärkeren«, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Berlin, 5`26, 2026, S. 67.
[5] August Pradetto, Das »Recht des Stärkeren«, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Berlin, 5`26, 2026, S. 63.




































































































