„Der Mensch ist ein Wesen, dessen Elastizität sich nicht ad libitum strapazieren lässt.« (Günther Anders)
Im Jahr 1992 veröffentlichte der ehemalige Vizepräsident der USA, Al Gore, das Buch »Wege zum Gleichgewicht – Ein Marshallplan für die Erde« und etwas später dokumentierte er mit seinem Film »Eine unbequeme Wahrheit« den Klimawandel. Al Gore führte in diesem Film aus, dass es Städte gibt, die nur deshalb gegründet wurden, weil sie oberhalb der Moskito-Grenze lagen, beispielsweise die Stadt Nairobi (Hauptstadt Kenias, Höhe 1.661 m). Durch den Klimawandel verschieben sich diese Grenzen und die Moskitos haben ein leichtes Spiel um Infektionskrankheiten zu übertragen. Selbst Tigermoskitos, die Dengue-Fieber und andere Viruskrankheiten übertragen können, sind bereits bis nach Süddeutschland vorgedrungen. Inzwischen sind sie aber auch in Mitteldeutschland zu finden. Neben Moskitos gibt es eine Menge besorgniserregender Überträger von Infektionskrankheiten, die mit zunehmendem Klimawandel ebenfalls ihre Reichweiten ausdehnen. Dazu gehören Ratten, Fledermäuse und viele andere Tiere, die sich als Virenwirte eignen. Daraus ergaben sich schon sehr früh neue Infektionskrankheiten (Ebola, Arena Virus, Hantavirus, SARS, Vogelgrippe, West Nile Virus usw.) Selbst resistente Formen der Tuberkulose traten auf. Wie Al Gore schon vor über 30 Jahren in seinen Vorträgen feststellte, tauchen immer wieder Krankheiten auf, die wir eigentlich unter Kontrolle hatten. Das sind aber keine Neuigkeiten, das sind die Folgen des menschengemachten Klimawandels. Anstieg des Meeresspiegels, Dürrekatastrophen und die Verschiebung der Vegetationsgrenzen beschreiben die eine Seite des Klimawandels. Durch vermehrte Kohlenstoffemissionen wird das Klima verändert und gefährliche Stechmücken und Zecken landen häufiger in unseren Breitengraden, weil die Hitzeperioden zunehmen. Die deutschen Krankenhäuser müssen sich nun vermehrt mit dem Dengue-Fieber und der Malaria beschäftigen.
Im Jahr 2000 gab es 60 nachgewiesene Fälle von Dengue in Deutschland. Diese 60 Personen sind allesamt in die Tropen gereist und haben sich dort infiziert. Im Jahr 2024 stieg die Zahl auf 1.842 Fälle und darunter waren viele Personen, die die Tropen noch nie gesehen haben. Dies ist nicht weiter verwunderlich, weil bereits im Februar 2025 die erste »Asiatische Tigermücke« im Raum Bonn gesichtet wurde. Diese Mückenart ist eigentlich in den Tropen beheimatet, wandert aber mit zunehmenden Hitzeperioden in unsere Breitengrade und überträgt Dengue-Fieber und Malaria.
Das Artensterben, gepaart mit einem starken Anstieg der Ausbreitung von Viren und Krankheitserregern sind Vorboten für ein weiteres zu erwartendes Unheil. Ob nun die Corona-Krise unmittelbar und ursächlich mit dem Klimawandel zusammenhing ist eigentlich nur eine theoretische Diskussion, die praktisch sekundär ist. Entscheidend ist vielmehr, dass die Opportunisten (z.B. Wildschweine) die Umweltveränderungen nutzen, um sich neue Lebensräume zu schaffen. Dies trifft zweifelsfrei auch für die »Halblebewesen«, die Viren zu.
Der Permafrostboden und der Klimawandel
Knapp ein Viertel der Landfläche auf der Nordhalbkugel (Alaska, Nordkanada und weite Teile Sibiriens) sind dauergefroren. Normalerweise taut der Boden auf dieser Fläche (23 Millionen Quadratkilometer) nie auf. Bedingt durch den Klimawandel taut der Permafrostboden aber auf und setzt Kohlendioxid und Methan frei. Wissenschaftler fanden im Boden Bakterien und Viren die acht Millionen Jahre alt sind. Die Virenfragmente konnten »überleben«, weil es im sauerstofflosen Permafrostboden dunkel und kalt ist. Für Bakterien und Viren ideale Bedingungen. Diese Viren aus der Urzeit werden konserviert. Sie werden in Genlabore eingelagert und es wird damit häufig experimentiert. Es gibt ernstzunehmende Hinweise, dass das Corona-Virus aus solch einem Labor kommen könnte.
Lange Zeit wurde die Biosphäre in Pflanzen, Tieren und Menschen eingeteilt. Seit der Corona-Pandemie wissen wir, dass es noch andere Lebewesen gibt, die in der Biosphäre nicht zu vernachlässigen sind, zum Beispiel Viren. Obwohl sie nur Halblebewesen sind, verhalten sie sich bei evolutionsbiologischen Vorgängen wie Bakterien. Durch den Selektionsdruck unterliegen sie auch dem genetischen Wandel und die Gastzelle stellt den Lebensraum für das Virus dar. Viren borgen sich gewissermaßen ihre Lebensfunktion von der Zelle.[1] Deshalb werden sie als Halblebewesen beschrieben. Diese Halblebewesen sind, sarkastisch formuliert, intelligenter als der Homo sapiens, der über ein gut funktionierendes Gehirn verfügt. Gehirnlose Viren kommen in den seltensten Fällen auf die Idee, die eigene Wirtbevölkerung komplett auszurotten und somit das eigene Überleben zu riskieren. Deshalb hat sich die Corona-Pandemie auch erheblich abgeschwächt. Heute stellen diese Viren kaum noch eine Gefahr dar. Dafür dürfen wir uns zukünftig mit hirnfressenden Amöben, diversen Mücken- und Zeckentypen und mit anderen Virusarten, beispielsweise mit dem Chikungunya-Virus, beschäftigen.
[1] Vgl. Günter Beckmann, Burkhard Klopries, Die Antwort der Evolution, in: Essener Unikate, 4/5, 1994, S.44.







































































































