»Die Klimakrise ist nicht das Ergebnis einer unausweichlichen Logik, sondern das Resultat von konkreten historischen Entscheidungen.« (Frank Adloff)
Die Art der Landnutzung ist die Ursache für soziale, ökonomische und ökologische Krisen. Die Landnutzung kann aber auch gleichzeitig die Lösung sein für eine Begrenzung des Klimawandels und der Naturverschwendung. Hier spielen der Humusboden und die Waldbeschaffenheit eine wichtige Rolle, damit sich die gegenwärtigen Waldbrände in Spanien und Frankreich nicht in diesem Ausmaß wiederholen. In diesen beiden südlichen Ländern sind im Sommer 2026 Waldflächen doppelt so groß wie der Bodensee vernichtet worden. Mehr als eine Viertelmillionen Menschen mussten bisher evakuiert werden.
Wie sieht es in Deutschland aus?
In Deutschland wurden in der jüngsten Regierungserklärung von Friedrich Merz weder die Hitzetoten und die verheerenden Waldbrände noch der Klimawandel erwähnt. Hierzulande sind bereits 90 Prozent der Auenwälder und Moore trockengelegt worden, obwohl sie für die Bekämpfung des Klimawandels eine außerordentliche Rolle spielen. Dabei stellt eine Moorwiedervernässung eine der effizientesten Klimaschutzmaßnahmen dar. Nach dem Pariser Klimaschutzabkommen aus dem Jahr 2015 muss Deutschland 50.000 Hektar entwässertes Moor bis 2050 wieder vernässen – und zwar pro Jahr. Wenn vom Pariser Klimaschutzabkommen die Rede ist, wird fast ausschließlich erwähnt, dass die Erde sich nicht mehr als 2 Grad Celsius zusätzlich erwärmen darf. Das 4 Promille Ziel findet kaum Beachtung. Es besagt, dass der Humusboden weltweit um 4 Promille wachsen muss, um die Klimakatastrophe wirksam zu bekämpfen.
Deshalb kann eine ernsthafte Klimapolitik nur angestrebt werden, wenn man sich von den Monokulturen verabschiedet und die Art der Landnutzung restrukturiert. Seit den 1930er Jahren werden großflächig Fichten angebaut, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich. Martin Janner, Förster des Jahres 2023, bezeichnete sie als »Normschweine der Forstwirtschaft«. Sowohl Fichten als auch industriell produzierte Schweine wachsen schnell, lassen sich effizient verarbeiten und sie sorgen für auskömmliche Profite.
Ökonomisch bedeutet der Mischwald aber zunächst ein Rückgang der Erträge, die positive ökologische Wirkung wird sich aber rasch einstellen. Weil der Wald seine Bedingungen selbst, und ohne menschliche Eingriffe, verbessern kann, muss er zunächst in Ruhe gelassen werden. Der Wald kann seine fein abgestimmten Prozesse selbst übernehmen. Dafür braucht er aber viel Zeit. Das tote Holz muss im Wald verbleiben, damit sich zahllose Kleinlebewesen ansiedeln, die dieses Holz zu Humus verarbeiten. Wenn sich die Stämme langsam zersetzten und in Form von Humus im Boden gespeichert werden, verbessert sich die Bodenqualität und der Wald wird geschützt vor weiterem Schädlingsbefall. Außerdem wirken Totholz und auch der Humusboden wie ein Schwamm, der die Feuchtigkeit bindet und im Wald hält. Somit wird die Waldbrandgefahr gemindert. Kahlflächen erwärmen sich hingegen schnell und CO2 wird freigesetzt.
In diesem Zusammenhang müssen Alternativen zu den schweren Maschinen entwickelt werden. Durch den Einsatz herkömmlicher Industriemaschinen wird der Boden verdichtet und es entstehen tote Zonen, die die Humusbildung verhindern. Die Verdichtungsschäden wirken sich über sehr viele Jahrzehnte auf die Bodenqualität aus. Es geht aber nicht um den schnellen Ernteerfolg, denn der Wald ist nicht nur ein Holzlieferant. Er ist Sauerstoffproduzent, Kohlenstoffsenke, Wasserspeicher, Schadstofffilter, Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Pilze. Für den Menschen ist er natürlich auch Ort der Erholung, Inspiration, Gesundheitsvorsorge und Muse. Deshalb muss möglichst viel Wald unter Schutz gestellt werden, damit er seine volle Wirkung entfalten kann. Jeder Baum im Wald ist ein Brunnen, der mit seinen Wurzeln Wasser aus dem Boden ansaugt, es durch den Stamm, die Äste und die Blätter pumpt. Das Wasser wird als Wasserdampf über die Blätter wieder in die Atmosphäre abgegeben. Ein einziger Baum kann an einem durchschnittlichen sonnigen Tag mehrere Hundert Liter Wasser verdunsten und seine Umgebung mit 70 Kilowattstunden pro 100 Liter kühlen. Das Kühlergebnis entspricht der Wirkung von zwei Klimaanlage, die 24 Stunden lang laufen. Dieses positive Resultat wird aber durch die zunehmende Landnahme und durch Waldbrände zunichte gemacht. Die Großbrände überdauern immer häufiger den milden Winter, weil sie im Untergrund weiter glimmen. Diese sogenannten Zombie-Feuer erhöhen ebenfalls die Waldbrandgefahr. Wenn Torfmoore entwässert werden um darauf die »Normschweine der Forstwirtschaft«, Fichten u.ä., zu pflanzen, dann hat das verheerende Folgen bei einem Waldbrand. Auch wenn der Brand gelöscht ist, glimmen diese Zombie-Feuer weiter und führen häufig zu neuen Bränden. Kein Wunder – ein Moor besteht zu großen Teilen aus Torf und das ist ein hervorragender Brennstoff.








































































































